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Erfahrungsbericht: Miguel Garcia Kilian

Miguel Garcia Kilian
„Das Studierendenleben in Stellenbosch ist großartig und die Natur in Südafrika ist atemberaubend! “

Vorbereitung (Planung & Organisation bzw. Bewerbung & Ankunft an der Gasthochschule/Praktikumsgeber)

Howzit!

Schon zu Beginn meines Studiums 2017 hatte ich die Idee für ein Auslandsjahr während meines Studiums. Ursprünglich hatte ich dafür mein Praxissemester und 6. Semester angedacht. Auf Grund der Corona Situation musste ich meinen Start nach Südafrika verschieben. Das Praxissemester sowie das 6. Semester habe ich dann in Düsseldorf vollzogen. Das Resultat war dann folgendes:

  • 01.08.21 bis 15.12.21: Austausch Student an der Stellenbosch University (SU).
  • 07.02.22 bis Juni 2022: Aktuell schreibe ich meine Bachelorarbeit am SARETEC Forschungszentrum in Cape Town.

Aussicht vom Pieke

Meine Vorbereitungen fingen im Herbst 2020 an. Mein Plan war es als Freemover nach Südafrika zu reisen. Freemover bezahlen die Studiengebühren aus eigener Tasche. Da ich schon eine Zusage für eine Förderung für meine Bachelorarbeit bekommen habe, erhielt ich eine Absage der HSD für eine zweite Förderung an der SU. Das IEC Vermittlungsbüro war dann mein erster Ansprechpartner für eine Vermittlung zur SU (Das IEC Vermittlungsbüro vermittelt überwiegend Freemover an ganz viele verschiedene Universitäten in der Welt). Meine Bewerbung für die SU habe ich dann im Dezember 2020 eingereicht. Es war leider doch ein großer Aufwand alle Dokumente zusammen zu bekommen. Hier eine kleine Liste:

1. Bewerbungsdeckblatt (Hauptsächlich persönliche Informationen)

2. Academic Record (Leistungsnachweis der HSD auf Englisch)

3. Englischer Sprachnachweis (B2 ist erwünscht)

4. Declaration der HSD (Bestätigung der HSD dass ich in der Lage bin auf Englisch zu studieren. Dies ist aber kein Problem, wenn schon englische Fächer an der HSD erfolgreich abgeschlossen wurden)

5. Learning Agreement (Bestätigung der HSD, dass gewünschte Fächer auch angerechnet werden können)

6. Reisepass

Die Zusage der Stellenbosch University ist dann aber erst im Mai 2021 gekommen. Drei Sachen fehlten noch:

  • Eine Krankenversicherung war mit Momentum schnell erledigt.
  • Unterkunft „Academia“ wurde von der Stellenbosch University empfohlen, welche ich dann auch gebucht habe.
  • Visum! Ja der Visumsantrag war so eine Sache… Neben den obigen Dokumenten dann noch eine Arzt Untersuchung inc. Röntgenuntersuchung und ein polizeiliches Führungszeugnis ist auch erforderlich.

Der Visumsantrag sollte 8 Wochen vor Einreise ins Land geschehen, da es sonst sehr eng werden kann. Diese 8 Wochen konnte ich auch gerade so einhalten.

Eine andere erfreuliche Nachricht war, dass ich Ende Mai erfahren habe, dass ich nun doch von der HSD über das FliX gefördert werde. Somit war ich dann kein Freemover mehr, sondern ein Austausch Student. Dies hat mir ca. 5000€ Studiengebühren erspart! Anfang Juli kam dann auch schon mein Visum nach 4 Wochen zurück. Nun war alles erledigt und ich konnte mich auf das Semester in Stellenbosch freuen. Der Kontakt zum IO der Stellenbosch University war sehr schlecht. Manchmal wurden E-Mails erst nach drei Wochen beantwortet, welches die Kommunikation sehr mühsam gemacht haben. Auf der anderen Seite wurden im Juli zwei Mal pro Woche Team Meetings für alle internationalen  Studierenden organisiert. Dies war sehr gut zum Austausch und für allgemeine Informationen. Unter folgendem Link können weitere Informationen gefunden werden: http://www.sun.ac.za/english/SUInternational/international-students/welcome. Dort gibt es dann auch weiter Links z.B. zu möglichen Modulen.

Mein Flug nach Südafrika ging über Katar nach Kapstadt am 31.07.21 in Frankfurt los. Das Problem hier war, dass dieser Zeitpunkt mitten in der Klausurphase der HSD war. Zum Glück fanden meine Klausuren online statt, sodass ich dann eine Klausur der HSD von Südafrika aus schreiben konnte. Bitte vollendet eure Reiseplanung vor der Klausurphase, falls ihr zum gleichem Zeitpunkt fahren wollt! Andernfalls kann es sehr stressig werden…

Unterkunft

Die Stellenbosch University hat es uns sehr leicht gemacht und uns nach Wunsch eine Unterkunft in Academia organisiert: https://academia.co.za/. Die Unterkunft ist mit 600€ im Monat zwar etwas teuer, aber eine gute und sichere Möglichkeit für Stellenbosch. Academia ist ein riesiges Studierendenwohnheim Gelände mit ca. 1000 Studierenden. Die Häuser bestehen aus drei Etagen mit jeweils 8 Einzelzimmern. Jedes Zimmer hat ein eigenes Badezimmer und der Gemeinschaftsraum ist mit vier Küchenzeilen integriert. Im Winter ist es nur etwas kalt im Zimmer geworden (<15°C), da die vorhandene Elektroheizung viel zu klein für die nicht vorhandene Zimmerdämmung ist. Außentemperaturen im August waren bei mir zwischen 3 und 15 °C. Die Aussicht aus den Fenstern ist aber sehr schön, denn die Berge sind quasi vor der Tür. Das Uni Gelände ist auch sehr gut fußläufig zu erreichen. Das Ingenieur Gebäude ist direkt nebenan and nur ca. 3 Minuten Fußweg entfernt. Die Mensa und andere Uni Gebäude sind fast alle innerhalb von 10 Minuten zu Fuß zu erreichen. Zuerst habe ich gedacht, dass es in der Küche mit 8 Personen etwas eng werden kann, aber dies war definitiv nicht der Fall! Leider wurden wir in ein Haus eingecheckt, in dem nur internationale Studierenden gewohnt haben. Das gemeinsame Wohnen hat echt sehr viel Spaß gemacht. Es war von allem etwas dabei. Fast täglich eine Party oder gemeinsames Kochen. Aber auch die Umgebung war echt großartig. So habe ich eigentlich immer eine Gruppe zum Wandern oder Volleyball spielen gefunden. Academia ist auch mit einer sehr guten Sicherheitseinrichtung umgeben. So konnte man das Gelände nur mit einem Fingerabdruck Sensor betreten. Aber schaut am besten auch mal bei privaten Unterkünften. Die sind meistens deutlich günstiger! Die SU hat dafür auch eine gute Übersicht erstellt: https://www.sun.ac.za/english/maties/accommodation/private-accommodation

Studierendenwohnheim Academia
  
Studierendenwohnheim Academia

Studium an der Gasthochschule/ Erfahrung mit der Praktikumseinrichtung

Der erste Eindruck von Stellenbosch war großartig! Schon als ich am Flughafen angekommen bin habe ich ganz viele andere internationale Studierende getroffen, mit denen ich dann in einem von der SU organisiertem Shuttle zur Unterkunft gebracht wurde. Am nächsten Tag sollte es dann eigentlich schon mit ersten Modulen als Einführungswoche losgehen. Nur leider hat die Organisation nicht so funktioniert, wie man es aus Deutschland gewohnt ist. Auch an der SU wird die Plattform moodle verwendet, in der alle Kurse hinterlegt sind. Nur leider hat das IO der SU es nicht hinbekommen uns Zugang zu moodle zu geben. So hat es tatsächlich zwei Wochen gedauert, bis wir (ca. 500 internationale Studierende) offiziell registriert waren. Die Einführungswoche ist eigentlich dafür da, um in verschiedene Kurse reinzusehen, um sich danach endgültig für Fächer zu entscheiden. Tja leider fiel dann die Einführungswoche für uns aus und auch an der zweiten Woche konnten wir nicht teilnehmen. Auf der einen Seite hatten wir dann zwei Wochen Zeit, um die Gegend zu erkunden und ganz viele Freundschaften zu sammeln und auf der anderen Seite musste ich feststellen, dass es an der SU ein wesentlich größeres Problem ist die ersten zwei Wochen zu verpassen, als wie es an der HSD wäre. Die Module an der SU können ganz unterschiedlich sein. Manche Module haben Anwesenheitspflichten, wöchentliche Test und vier Klausuren über das Semester hinweg. Die erste Klausur findet meistens schon in den ersten drei Wochen statt. Somit fielen dann schon ein paar Module bei mir weg. Die SU bietet auch viele Module mit Praktikas an, wovon jeder Termin ein Pflichttermin ist. Als internationale Studierende hatten wir zwar eine Entschuldigung, welche uns aber auch nicht viel geholfen hat, da wir schon relativ viel Unterrichtsstoff verpasst hatten. Wie auch immer, diese Erfahrung war tatsächlich meine einzig negative an der SU! Im Endeffekt habe ich Glück gehabt, dass ich mich im Vorfeld für 12 Module angemeldet habe, wovon ich dann auch 3 Module tatsächlich belegt und erfolgreich abgeschlossen habe. Module und Informationen können unter folgendem Link gefunden werden: http://www.sun.ac.za/english/faculty/Pages/Calendar.aspx

Neben dem Studium habe ich auch an einer sozialen Arbeit in dem nahelegenden Township teilgenommen. Das Programm „Songo.info“ befasst sich mit Nachhilfeunterricht für Kinder im Alter zwischen 8 und 14 Jahren in Mathe und Englisch. Des Weiteren findet BMX Unterricht statt. Ich konnte hier einmal pro Woche nachmittags sehr viele soziale Erfahrungen mit einheimischen Kindern sammeln. Die Kinder waren sehr glücklich etwas von uns Tutoren zu lernen, da sie sonst nur einmal pro Woche in der Schule sein konnten.

Auf dem Songo Info Gelände

Alltag und Freizeit 

Stellenbosch ist eine super Stadt zum Studieren! 70% der 60.000 Einwohner*innen sind Studierende.  Dies hat man auch schon direkt am ersten Tag gemerkt. Der Unterschied zu Düsseldorf ist hier enorm. Da ich persönlich sehr gerne in der Natur unterwegs bin, bin ich hier in Stellenbosch definitiv auf meine Kosten gekommen! Die Möglichkeit zum Feiern gibt es jeden Tag, aber auch gemeinsames Essen gehen mit Freund*innen ist hier sehr üblich. So kostet das Essen gehen hier in Südafrika weniger als die Hälfte, im Vergleich zu Deutschland (dies ist aber leider fast das Einzige, was günstiger ist. Lebensmittel im Supermarkt sind leider teurer). Sportliche Aktivitäten gibt es rund um die Uhr. Was mir sehr gut an der SU gefallen hat, sind die ganzen Societies: http://www.sun.ac.za/english/students/student-societies. Unter anderem hat mir die BTK Society sehr viel Spaß gemacht. Es werden Tages Wanderungen bis hin zu ganzen Wochencamps organisiert. So habe ich an einem 5 Tages Camp in Oorlogskloof teilgenommen, wo wir unser Proviant und Camping Materialien für diese 5 Tage getragen haben. Die Gruppe war mit 50 Leuten auch recht groß. Dieses Abenteuer war genial, um über den persönlichen Horizont hinauszuwachsen. 

Wanderung

An dieser Stelle möchte ich auch mal die „afrikaans“ Kultur erwähnen, welche in Stellenbosch und insbesondere im BTK sehr ausgeprägt ist. Die „afrikaans“ Kultur ist keine einheimische, sondern westlich und stammt von den Niederländern ab. So wird die Sprache „Afrikaans“ im Raum Stellenbosch auch mehr als Englisch gesprochen. Aber jeder der Afrikaans spricht, kann auch Englisch sprechen. Diese Kultur macht Stellenbosch zu einer sogenannten „Bubble“ und verdrängt die ursprüngliche südafrikanische Kultur in Stellenbosch. Es gibt auch eine Kino Society mit täglichen Kinofilmen und die EcoMaties, welche sich mit Umweltthemen beschäftigen.

Neben diesen öffentlichen Gruppen gibt es auch viele private Gruppen/Organisationen, an denen ich teilgenommen habe. Jeden Donnerstag fand ein offener Geländelauftreff statt, der auch gerne mal mit 100 Studierenden gefüllt war. Mittwochs morgen um 6 Uhr sind wir immer mit einer anderen Gruppe zum Damm, um dort gemeinsam zu schwimmen. Herrlich erfrischend mit Sonnenaufgang über den Bergen. Eine Organisation, die ich selbst organisiert habe, sind die „Sunrise Hikers“. Wir sind jeden Donnerstagmorgen den Berg hoch um dort beim Sonnenaufgang zu Frühstücken.

Das Fahrradfahren ist in Südafrika leider nicht so verbreitet, wie in Deutschland. Stellenbosch ist hier aber noch die fahrradfreundlichste Stadt in ganz Südafrika. Da die Kriminalität sehr hoch ist werden die Fahrräder sehr schnell gestohlen. So kann man ein Fahrrad leider nirgendwo abstellen, auch wenn es sehr gut abgeschlossen ist. Dennoch habe ich mir in der zweiten Woche ein gebrauchtes Mountainbike gekauft, um damit einen der weltbesten Trails zu fahren. Die Mountainbike Strecken um Stellenbosch herum sind großartig und sehr viele Menschen aus aller Welt kommen zum Mountainbiken hierher.

Sonnenaufgang in Stellenbosch

Eine sehr berühmte Kultur hier in Stellenbosch und Umgebung sind auch die vielen Weinfarmen. Aber da ich so viel mit dem Mountainbike unterwegs war, habe ich es leider nicht jede Woche zu einer Wein Farm geschafft.

Mountainbike Tour

Ach und fast habe ich das Surfen vergessen! Das Wellensurfen in Muizenberg hat mir auch sehr viel Spaß gemacht. Leider ist das Meer mehr als 30 Minuten entfernt. Aber es waren eigentlich immer genug Studierende bereit sich zusammen ein Uber zu buchen. Das Uber Fahren ist auch im generellem das üblichste Verkehrsmittel unter den Studierenden.

Bezüglich Tagesausflüge gibt es hier in der Umgebung unzählige Möglichkeiten. Wer gerne in der Natur unterwegs ist, findet hier mehr als genug. Cape Town ist ein eigenes Kapitel, welches viel zu lang für diesen kleinen Bericht ist. Im Dezember nach den letzen Klausuren ging es für mich nach Sommerset West, wo wir beim Wandern in Höhlen übernachtet haben. Danach ging es per Roadtrip mit dem Toyota Hilux und Dachzelten von Johannesburg aus in den Kruger Nationalpark.

Danach ging es nach Mozambique und zurück nach Südafrika über St.Lucia und den Drakensbergen. Über Neujahr habe ich zwei Wochen Surfurlaub in Muizenberg verbracht. Und dann im Januar ging es für mich drei Wochen nach Langebaan zum Segeln, wo ich dann auch meinen Day Skipper absolviert habe. Langebaan ist eine super Gegend, um mal für ein Wochenende oder länger aus Stellenbosch herauszufahren. Das Meer ist zwar sehr kalt, aber dafür gibt es genügend Wind zum Segeln und Kitesurfen!

Krüger National Park

Anbei noch ein paar andere Fotos aus dem halben Jahr:

Hout Bay Wanderung

Hout Bay Wanderung

Cape Town vom Tafelberg aus

Cape Town vom Tafelberg aus

Boulders Beach

Boulders Beach

Schnee auf dem Perdekop

Schnee auf dem Perdekop

Fazit/Kritik (beste und schlechteste Erfahrung)

Mir hat es so gut in Stellenbosch gefallen, sodass ich zurzeit wieder hier in Stellenbosch für die Dauer meiner Bachelorarbeit wohne. Das Studieren an der Stellenbosch Uni kann ich jedem empfehlen. Auch wenn das ganze doch mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden ist, hat es sich gelohnt. Die „faule“ Arbeitshaltung des IO der SU war hier eigentlich meine einzige schlechte Erfahrung, welche in den ganzen positiven Erlebnissen nahezu unter gegangen ist. Aber hier darf man auch nicht vergessen, dass die Leute in Südafrika auch generell langsamer arbeiten als in Deutschland. Corona Beschränkungen gab es im Vergleich zu Deutschland kaum. Besonders erstaunlich: Bars und Clubs ohne Personenbeschränkungen jeden Tag geöffnet (zu Beginn meines Aufenthaltes nur bis 22 Uhr).
Ein sehr großer Unterschied zu deutscher Lebensweise beschreibt folgende Situation, welche ich im Januar am Kapstadt Hauptbahnhof erlebt habe: Auf die Frage an den Ticketverkäufer, wo ich denn den Fahrplan finde, kam die Antwort: „Der nächste Zug nach Stellenbosch kommt in einer Stunde, einen Fahrplan gibt es nicht in Südafrika.“ Dann habe ich gefragt, auf welchem Gleiß (hier gibt es 18 verschiedene Gleise). Ticketverkäufer: „Warten Sie auf die Durchsage.“ Nach zwei Stunden kam dann der Zugführer vorbei und hat mündlich gesagt, dass er „Now Now“ mit dem Zug nach Stellenbosch fährt. Hier hat sich keiner aufgeregt und die einstündige Fahrt hat auch nur 50 Cent gekostet. „Now“ heißt übrigens in Südafrika später und „Now Now“ bedeutet gleich. Neben ganz vielen wunderschönen Abenteuern und Herausforderungen, welche mich auch persönlich weitergebracht haben, habe ich definitiv gelernt ein geduldiger Mensch zu werden und auch mal ein bisschen entspannter im Leben zu sein.

Ich kann nur jedem empfehlen für ein Auslandssemester zur SU zu kommen und die südafrikanische Kultur auf sich einwirken zu lassen!

Ach und noch zwei Dinge auf der „must to do Liste in Südafrika“: Braai (südafrikanische Version des Barbeques) und Camping auf dem Stellenbosch

Braai
  
Camping auf dem Stellenbosch