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Erfahrungsbericht: Ellen Wippich

Ellen Wippich
„Südkorea - definitiv ein Land der Superlative und definitiv das perfekte Land für einen Auslandsaufenthalt!“

Erfahrungsbericht von meinem Auslandssemester in Seoul, Südkorea

Als ich meinen Freunden und meiner Familie erzählt habe, dass ich ein Semester in Seoul in Südkorea studieren möchte, war die Reaktion immer dieselbe: „Wie kommst du denn darauf?“. In Deutschland sind die einzigen drei Dinge, die mit Südkorea in Verbindung gebracht werden der Konflikt mit Nordkorea, Samsung und Gangnam Style von PSY. Zugegebenermaßen war das auch das einzige was ich bis dato über Südkorea wusste. Dabei hat dieses Land so viel mehr zu bieten. Seien es die supermodernen Millionenstädte, die sich in den letzten 30 Jahren rasant entwickelt haben, die bergige, wunderschöne Landschaft, die felsige Küste mit glasklarem Meer und traumhaften Sandstränden oder die kleinen, lauschigen Inseln im Süden des Landes. Nicht zu vergessen, die südkoreanische Küche, auf die die Südkoreaner sehr stolz sind und natürlich die Menschen selber, die höflichsten und liebenswerten Menschen, die ich je kennen gelernt habe. Trotz, dass wir als Ausländer manchmal ein wenig argwöhnisch angeschaut wurden – man fällt als Nicht-Koreaner doch noch sehr auf, da es in Korea vergleichsweise wenig Touristen gibt – waren die Menschen doch immer unglaublich hilfsbereit und freundlich, auch wenn sie kein Wort Englisch sprachen. Wir wurden sogar oft einfach angesprochen und gefragt, woher wir denn kommen und ob wir Studenten sind.

Ich bin als Freemover über die Organisation „Asia Exchange“ nach Südkorea (Partner von IEC an dem man dann quasi weitergeleitet wird). Dadurch war das Bewerbungsverfahren sehr einfach und ging schnell. Auch half einem Asia Exchange bei allen Problemen und Fragen und stand in Kontakt mit der Universität in Seoul. Gleich am ersten Tag wurde ich sehr herzlich an der „Hankuk University of Foreign Studies“ begrüßt. Sie ist eine eher kleine, sehr international geprägte Universität ist, die versucht viele ausländische Studenten anzulocken. Deswegen gibt es auch eine sehr hilfreiche Einführung für Exchange Students. Die Universität ist hauptsächlich auf Fremdsprachen ausgerichtet, bietet aber auch viele Business Administration oder Business and Economics Kurse an. Da es für mich das letzte reguläre Semester meines Studiums ist, musste ich nur noch 2 Module belegen. Zusätzlich absolvierte ich noch einen Koreanisch-Sprachkurs. Dadurch hatte ich viel Zeit Seoul und Südkorea zu erkunden und kennen zu lernen. Ich versuchte mich nicht nur auf Seoul zu beschränken, sondern so viel wie möglich von dem zu sehen, was das Land zu bieten hat. So machte ich einen Wochenendtrip nach Busan, die zweitgrößte Stadt Südkoreas, im Süden am Meer, die bekannt für rohen Fisch ist.

Busan - Gamcheon Culture Village

Ich flog eine Woche auf die Insel Jeju (ebenfalls im Süden), beliebtes Reiseziel für Südkoreaner im Sommer oder für Flitterwochen. Jeju hat eine wunderschöne Landschaft, die vulkanisch geprägt ist. Dementsprechend gibt es einige erloschene Vulkane und schwarze Strände.

Strand auf der Insel Jeju

Für weitere 3 Tage fuhren ein paar Wanderbegeisterte und ich in den beliebtesten und schönsten Nationalpark „Seoraksan“. Da wir im Oktober reisten, waren die Bäume rot und gelb gefärbt – ein atemberaubender Anblick.

Seoraksan Nationalpark im Oktober

Mein letzter Ausflug führte mich an die Ostküste nach „Gangneung“, eine kleine Stadt mit wunderschöner, etwas rauer Küste und ebenfalls einzigartiger Landschaft. Ja, ich habe mich in die Landschaft Südkoreas verliebt. So vielseitig und wunderschön. Und nicht zu vergessen: Seoul, die niemals schlafende Hauptstadt. Man findet Paläste und Stadtteile im traditionellen Baustil: Holzhäuser mit geschwungenen und reich bemalten Dächern.

Seoul - Bukchon Hanok Village

Seoul - Changdeokgung Palast

Auf der anderen Seite gibt es Bezirke wie „Gangnam“, wo die Reichen und Schönen leben, sich eine Schönheitsklinik an die andere reiht und gläserne Wolkenkratzer in den Himmel ragen.

Seoul - Viertel Hongdae

Und an die vielen Schilder muss man sich auch erst einmal gewöhnen.

Seoul Schilderwald

Der Han-Fluss teilt die Stadt und bietet Raum für Spaziergänge durch die liebevoll angelegten Parks.

Seoul Han Fluss

Auf vollgepackten, traditionellen Märkten tummeln sich Händler und Käufer und feilschen um Preise.

Seoul - Markthalle

Hier kann man auch das berühmte Streed-Food genießen, für das Korea bekannt ist.

Seoul - Streetfood

In Seoul selbst hat man natürlich unglaublich viele Möglichkeiten etwas zu unternehmen oder sich mit Freunden zu treffen. Koreaner sind sehr gesellige Menschen. Das bedeutet zum Beispiel, dass sie mehrmals die Woche mit Freunden essen gehen. Dementsprechend viele Möglichkeiten hat man auch, dies zu tun. Weithin bekannt ist beispielsweise das „Korean Barbecue“. Was mich darüber hinaus sehr überrascht hat, war die unzählige Anzahl an Coffee Shops. Alle zwei Meter hat man die Möglichkeit sich einen Kaffee zu holen. Diese sind auch der Zufluchtsort der Studenten in der Prüfungszeit. Dann findet man kaum noch einen Platz, da alle mit fleißigen Studenten belegt sind. Wer feiern will, kommt in Seoul natürlich auch nicht zu kurz. Es gibt Viertel, die für ihre vielen, guten Clubs bekannt sind.

Das einzige, was mir ein wenig negativ aufgefallen ist und weswegen ich wahrscheinlich nicht für längere Zeit in Südkorea wohnen könnte, ist der gesellschaftliche Druck. Koreaner versuchen beispielsweise nicht aus der Masse herauszustechen. Oder der Druck, dass man möglichst in einer Beziehung leben muss. Oder insbesondere in Bezug auf Bildung. In dieser Hinsicht bin ich unglaublich froh in Deutschland zu leben. In der Highschool werden Schüler zu Höchstleistung gedrillt. Sprich, mindestens 12 Stunden am Tag Lernen. Erst Unterricht an der Schule und dann geht es weiter zum Privatunterricht. Alles nur um einen Universitätsplatz zu ergattern. Die Abschlusstests sind unglaublich hart und der Konkurrenzdruck enorm. Circa 90% aller Schüler studieren. Leider hat Korea deswegen auch eine auffällig hohe Zahl an Selbstmorden unter Jugendlichen. Die Zahl der Eltern, die ihre Kindern ins Ausland auf die Schule schicken, nimmt auch immer mehr zu. In der Universität geht es dann weiter. In der Prüfungszeit übernachten Studenten in der Bibliothek, um zu lernen oder Essays zu schreiben. Parallel muss man Präsentationen für jedes Fach (i.d.R. 6-8) vorbereiten. Als wäre das nicht schon genug sind viele Studenten in Studenten-Clubs eingeschrieben, die sich 2x oder öfter in der Woche treffen, und haben Nebenjobs. Viel Zeit für Freizeit bleibt da leider nicht. Als Austauschstudent ist man diesem Druck allerdings nicht ausgesetzt, da Exchange Students quasi unter ein anderes Bewertungssystem fallen, also keine Sorge ;)

In Korea setzt sich die Gesamtnote in einem Fach (in der Regel) aus einer Zwischen- und Endprüfung, einer Präsentation oder einem Report (oder beidem), Assignments und auch der Anwesenheit zusammen. Gut war, dass man durch die Gruppenarbeiten in Kontakt mit anderen Austauschstudenten und Koreanern gekommen ist. Toll fand ich auch, dass an meiner Universität ein sogenannte Buddy-Programm angeboten wurde. Man konnte sich bewerben und bekam dann einen koreanischen Studenten „zugeteilt“, mit dem man dann verschiedene Aktivitäten durchführen konnte. Des Weiteren wurden Buddy Gruppen von 20 Personen gebildet, in denen dann zwei Ausflüge gemacht wurden. Das fand ich ein tolle Idee und so konnte ich weitere Freundschaften schließen.

Es gibt natürlich noch so viel mehr zu erzählen über Korea. Ich kann jedem, der sich für Asien interessiert dieses Land nur ans Herz legen. Interessante Kultur, freundliche Menschen, tolles Essen, atemberaubende Landschaft, pulsierende Städte – definitiv ein Land der Superlative. Nicht umsonst wird es ein immer beliebteres Ziel für Studenten. In vielen alltäglichen Bereichen sind die Südkoreaner uns Deutschen/Europäern schon weit voraus (beispielsweise öffentliche Verkehrsmittel, Bezahlung, Digitalisierung etc.). Empfehlen kann ich auch definitiv die „Hankuk University of Foreign Studies“, da sie sehr darauf bedacht ist, ausländischen Studenten zu unterstützen und ihnen einen angenehmen und einfachen Aufenthalt zu gewährleisten. Ich jedenfalls war unglaublich traurig als das Semester vorbei war. Ob ich dort leben wollen würde? Jein. Zurzeit gibt es leider noch einige Aspekte, mit denen ich nicht leben könnte. Aufgrund der rasanten wirtschaftlichen und auch gesellschaftlichen Entwicklung und der zunehmenden Angleichung an die „westliche Lebensweise“ denke ich jedoch, dass diese sich in Zukunft ändern werden. Ich hoffe trotzdem, dass sich die Koreaner ihre Kultur bewahren.